Wie du negative Emotionen kontrollieren kannst (Teil 1/2)

20.07.2022 von Anne-Kathrin Koch

Kennst du das? Du hasst es, wenn du dich hilflos fühlst; kriegst Panik, wenn die Angst sich breit macht; du schämst dich, wenn du dich verletzt oder traurig fühlst.
Oder aber: du schaust dir selbst dabei zu, wie du ausrastest, zur Furie wirst, wie die Zicke aufblüht, dein schlechtestes Selbst zum Vorschein kommt – und während du agierst, fragst du dich, wer diese Person überhaupt ist.

Yep, willkommen bei der menschlichen Rasse.

Negative Gefühle können sehr kraftvoll und mächtig sein.

Mit kraftvollen guten, positiven Gefühlen haben wir kein Problem, aber wenn die schlechten, negativen Gefühle zum Vorschein kommen, dann wird es zumindest lebendig und interessant. ;-)

In diesem und im nächsten Artikel zeige ich dir zwei Wege auf, wie du zum einen prophylaktisch und zum anderen in der Live-Situation negative Emotionen kontrollieren kannst, so dass du ihnen nicht länger ausgeliefert bist.

Was heißt kontrollieren?

Bevor wir uns mit dem WIE beschäftigen, möchte ich gerne, dass wir das gleiche Verständnis von Kontrollieren haben. Mit Kontrollieren meine ich nicht, Gefühle zu unterdrücken. Ich weiß, das hätten manche Leute gerne. Doch unterdrücken ist eine Strategie, die schlichtweg nicht auf Dauer funktioniert. Und ich möchte dir etwas anbieten, was tatsächlich und langfristig funktioniert.

Mit Kontrollieren meine ich, dass wir, wenn die Emotionen auftauchen trotzdem in unserem Verhalten erwachsen bleiben können, statt uns wie Kleinkinder aufzuführen. Wenn sich ein zweijähriges Kind wütend auf dem Boden wälzt, ist es im besten Falle putzig. Wenn wir als Erwachsene das Gleiche, bildlich gesprochen natürlich, tun, kommt es einfach nicht so gut an.

Mit Kontrollieren meine ich außerdem, dass wir Emotionen so lenken können, dass sie weder uns noch anderen schaden, und dass wir weder uns selbst noch andere verletzen.
Kontrollieren bedeutet auch, dass wir unsere Gefühle fühlen, statt dass die Gefühle uns fühlen.
Also, dass es uns gelingt, weder die Gefühle auszuagieren noch zu unterdrücken, denn wenn wir Gefühle nur unterdrücken, kommen sie irgendwann trotzdem und dann meistens in unpassenden Situationen doch wieder mit geballter Kraft zum Vorschein.

Man könnte Emotionen auch mit Wasser vergleichen. Wasser ist ein sehr kraftvolles Element, und wenn es einfach irgendwohin fließt, kann es sehr zerstörerisch werden. Wenn ich es aber schaffe, dem Wasser eine Richtung zu geben, vielleicht ein entsprechendes Flussbett oder einen Deich, dann bleibt da zwar immer noch die Kraft, aber das Zerstörerische entfällt.

Eine große Welle aufzuhalten, funktioniert nicht. Aber die Kraft, die eine Welle mit sich bringt, umzulenken - das können wir auf einer emotionalen Ebene lernen und dadurch die Emotions-Welle kontrollieren.

Gefühle als solches sind nicht schlecht. Es sind einfach nur Gefühle. Ja, wir mögen die guten und die blöden halt nicht so. Doch eigentlich sind es einfach nur Gefühle.

Sie lassen uns lebendig sein, sie geben uns Lebensqualität. Der beste Erfolg nützt uns nichts, wenn wir ihn nicht auch fühlen können. Und Ärger, konstruktiv gebraucht, kann ein wunderbarer Motivator sein, um endlich in die Pötte zu kommen und etwas anzugehen.

Gefühle beinhalten Energie. Emotion ist Energie in Motion, also Energie in Bewegung. Und unser Job ist es, zu lernen, wie wir diese teilweise sehr kraftvolle Energie lenken können.

Wie lernst du, negative Emotionen zu kontrollieren und zu lenken?

Lass mich voran schicken, dass alles, was wir lernen, leichter zu lernen geht, wenn wir erst mal in Übe-Situationen üben können, statt direkt in einer Live-Situation. Also, den Catwalk übst du nicht auf dem Catwalk in der Show, sondern vorab in deinem Wohnzimmer.

So ist es auch im Umgang mit unseren Emotionen. Wenn du wartest, bist du auf 180 bist und dann zum ersten Mal versuchst, deine Emotionen konstruktiv zu gebrauchen und dadurch zu kontrollieren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dir gelingt, ziemlich gering.

Daher macht es Sinn, die Kontrolle erstmal in einer Übe-Situation, im Nachhinein und dadurch auch im Vorhinein, zu üben.

Wie du im Nachhinein – und damit auch prophylaktisch – negative Gefühle kontrollierst

Lass es uns gleich praktisch machen:

Denke an eine Situation, in der du die Kontrolle über deine Emotionen verloren hattest. Und bemerke, wie es dir geht, wenn du an diese Situation denkst. Fühlst du Scham, Ärger, Hilflosigkeit, Wut, Frustration, Enttäuschung, Traurigkeit, Angst,…?

Erinnere dich, dass du jetzt in einer Übe-Situation und nicht mehr in dieser Live-Situation bist. Sprich, du darfst Üben und Ausprobieren und dich ganz langsam herantasten.

Wenn du deine Gefühle merkst, prüfe, dass du noch atmest. Vielleicht willst du auch ein paar Mal tief und bewusst atmen und dich erinnern, dass im Moment nichts passieren kann. Du kannst dich mit Gefühlen beschäftigen und trotzdem bewusst weiter atmen.

Statt den Gefühlen freien Lauf zu lassen und vielleicht aufs Kissen zu boxen oder zu erstarren, und auch statt die Gefühle gleich wieder wegzuschieben, gib dir für ein Moment die Erlaubnis, dass du fühlen und wahrnehmen darfst, was du sowieso fühlst und wahrnimmst. Heiße also dich mit deinen Gefühlen und mit deiner Wahrnehmung für einen Moment willkommen.
Es gibt nichts zu tun, nichts zu verändern und nichts zu reparieren. Du darfst einfach für einen Moment mit dieser Wahrnehmung und diesen Gefühlen sein, sie bemerken, und trotzdem, wortwörtlich, ganz bewusst weiter atmen.

Gib deinen Gefühlen außerdem die Erlaubnis, dass sie auf konstruktive Weise abfließen dürfen.

Wenn ich das mache, sage ich mir immer: "Das, was nach unten abfließen mag, darf nach unten abfließen, und das, was nach oben abfließen mag, darf nach oben abfließen." Und dann stelle ich mir vor, dass es an meinen Füßen oder auch oben auf meinem Kopf ein Ventil gibt, das ich weit genug aufdrehen kann, damit die Gefühle abfließen können, aber auch nur soweit, wie es von der Geschwindigkeit für mich in Ordnung ist.

Wenn du magst, nutze dieses Bild von dem Ventil und schraube ein bisschen daran rum, so dass die Gefühle in kleinen, machbaren Portionen abfließen können, während du einfach weiter atmest.

Wenn du das ausprobierst, wirst du feststellen, dass deine Gemütszulage innerhalb weniger Minuten anfängt sich zu verändern. Negative Gefühle dauern, wenn wir sie fühlen und willkommen heißen und mit ihnen atmen, nur ein paar Minuten, bevor sie sich schon wieder verändern.

Bei Wut bleiben wir gerne stecken. Dann kann es sein, dass wir Monate oder Jahre später uns noch genauso ärgern wie im ersten Moment. Doch das ist nur ein Zeichen dafür, dass wir uns im Kreis drehen, statt mit dem Gefühl zu atmen und es abfließen zu lassen, so dass die anderen Gefühle, die darunter liegen und die Wut nähren, ebenfalls an die Oberfläche kommen und abfließen können.

Und so gib dir mit dieser Übung vielleicht 10 bis 15 Minuten. Lass dich atmen, heiße dich und deine Gefühle willkommen und erlaube ihnen, abzufließen und sich zu verändern, bis du dich wieder gelassen und zentriert fühlen kannst.

Ja, diese Übung machst du im Nachhinein, und dein Verstand wird vielleicht fragen, was dir das denn bringen soll.
Sei gnädig mit dir. Du bist am Üben. Und dein Üben im Nachhinein ist gleichzeitig auch eine Prophylaxe: denn die Gefühle, die du verwandelt hast, wirst du nicht in die nächste Situation mit hinein nehmen. Wenn der Vulkan die Möglichkeit hatte, den Dampf abfließen zu lassen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Überdruck und Eruption entstehen, sehr viel geringer.



Teste es für dich und schreib mir gerne, mit welchem Gefühl du es ausprobiert hast und wie es für dich funktioniert hat.

 

Wie du negative Emotionen auch in Live-Situationen kontrollierst

Im Teil II dieses Artikels beschäftigen wir uns dann damit, wie du Gefühle auch in Live-Situationen kontrollieren kannst. Und alles, was du vorher geübt hast, wird dir dann zu Gute kommen! Daher übe und atme!

Wenn du von diesen Gedanken und dieser Übung profitiert hast, teile den Artikel gerne großzügig mit deinen Mitmenschen!


Alles Liebe und frohes Schnaufen,

Anne-Kathrin

Weitere Ressourcen:

Du bist nicht allein! Wenn du persönlich Unterstützung und Hilfe im konstruktiven Umgang mit Emotionen möchtest, buch dir deinen Termin für -> dein Coaching oder, wenn wir noch nicht zusammen gearbeitet haben, für -> dein kosten-freies Start-Gespräch.

 

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