Wie du Emotions-Tiefs überwinden kannst

27.03.2019 von Anne-Kathrin Koch

Wenn es uns nicht so gut geht und wir Menschen, denen wir vertrauen, davon erzählen, ist meistens ihre erste Reaktion, zu beschwichtigen oder gute Ratschläge zu geben. Und obwohl dies natürlich gut gemeint ist, lass mich dich fragen: wie hilfreich ist es unterm Strich wirklich?

Neulich war ich mit einer Freundin zum Frühstück verabredet. Während sonst unsere Gespräche zwar tiefgehend, aber auch inspiriert und inspirierend sind, unterhielten wir uns an diesem Morgen fast ausschließlich darüber, was für uns in unserem Leben nicht funktioniert, und die ganzen blöden Gefühle, die damit einhergehen.

Ich sprach darüber, wie unmotiviert und wie unklar ich mich fühle; wie introvertiert ich bin; wieviel Angst ich habe, angegriffen zu werden; wieviel Überwindung es mich immer wieder kostet, mich zu zeigen; wie verletzlich ich mich fühle und wie ich gerade mit nicht so engen Kontakten an manchen Stellen lieber die Klappe halte, um eine Auseinandersetzung, ein Mich-erklären-müssen oder ein Schräg-angeschaut-werden zu vermeiden.

Es war ein Austausch, der sich schwerfällig anfühlte. Er war einfach nur ehrlich - und schwerfällig.

Irgendwie gelang es uns, jegliche Ratschläge und Verbesserungs-Vorschläge einfach zu lassen und nur zu benennen und anzuerkennen, wie es mir geht. Kein sich-im-Elend-suhlen; aber auch kein Zurückhalten im Ausdruck.


Wenn du schon mal versucht hast, tiefe Gefühle in Worten auszudrücken, dann weißt du, wie schwer das sein kann, denn zwischen dem Erleben und der Sprache liegen in unserem Gehirn Welten. Es ist ein Prozess für sich...

Wir verabschiedeten uns, ohne eine Lösung zu haben. Wir erkannten einfach an, dass es sich schwerfällig anfühlte, atmeten ein paar Mal bewusst tief durch und gingen unserer Wege.


Und obwohl ich es inzwischen wirklich wissen müsste, war ich wieder einmal von dem Ergebnis dieses Austauschs überrascht.

Denn während ich in meinem Tag weiterschritt, stellte ich plötzlich fest, wie Motivation in mir Raum fand; wie ein Wille oder eine Kraft, nach vorne zu schauen und die Hürden zu nehmen, in mir aufstieg.

Und mir wurde bewusst, wie kraftvoll und transformierend es ist, schlichtweg anzuerkennen, dass ist, was ist. Plus sich darin mitzuteilen, die Gefühle zu benennen, in Worte zu fassen, zu umschreiben, ihnen Ausdruck zu verleihen… Ohne sie zu unterdrücken, ohne sie "wegmachen" zu wollen, ohne sich selbst zu reparieren, aber auch ohne sich zu suhlen.

In diesem schlichten Sein mit dem, was gerade ist, in dieser rohen und ehrlichen Begegnung mit sich selbst und einem würdigen Gegenüber, passiert Transformation von alleine.

Und es bestätigte mir wieder einmal, dass wir wirklich nicht kaputt sind und wirklich nicht repariert werden müssen.


Viele gut gemeinte Ratschläge sind eine Form der Reparatur, weil es so unangenehm ist, das Unangenehme für ein Moment zu erlauben und auszuhalten.

Vielleicht ist es wie bei einem Sturm: Wenn der Sturm tobt, können wir mit aller Gewalt versuchen, Dinge zu verbessern, festzuhalten oder zu reparieren. Doch es wird nicht wirklich viel nützen.

Wenn wir uns aber in das Zentrum des Sturms bergeben, in die radikale Anerkennung dessen, was sowieso ist, ändern und reparieren wir scheinbar gar nichts, dennoch tritt Ruhe ein und Frieden, und dann - irgendwie - verändert sich der Sturm, und was übrig bleibt ist eine neue, tiefere Kraft.

Und so kann ich dich nur ermutigen, es zu wagen, mit den Gefühls-Stürmen zu sein, zu atmen, dich ehrlich und roh mitzuteilen, und dir gleichzeitig zu erlauben, dass du genauso sein darfst, wie du gerade bist.
Denn eigentlich ist dies eine Form von Liebe. Und Liebe transformiert und heilt.


Was ist ein Gefühl, mit dem du dich bisher reparieren wolltest, und das du jetzt willens wärst, anzuerkennen, dazu zu stehen und zu benennen?

Lass mich in den Kommentaren unten wissen und teile diesen Blog gerne mit jemandem, den du daran erinnern möchtest, dass er oder sie nicht kaputt ist und einfach ehrlich Mensch sein darf.


Alles Liebe,
Anne-Kathrin

 

P.S.: Wenn du dieses Thema vertiefen, erweitern und mit Unterstützung praktisch anwenden möchtest, meld dich noch kurzfristig zu meinem Tages-Seminar am 06. April an, mit dem Titel "Wie loslassen gelingt".

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1 Kommentar

Elisabet Schneider

Liebe Interessierte

so erleb ich dies immer wieder in den Seminaren. Wirklich zuhören können, sich verbinden und präsent bleiben. Dann sind wir plötzlich im Gefühl das sich nun zeigen möchte, ruhig weiter atmen, annehmen und dem Himmel oder der Erde übergeben. Soo einfach und effizient. Ich bin so dankbar diese Arbeit kennen gelernt zu haben. Mein Leben wir immer einfacher und ich wahrer. Alles Liebe Elisabeth aus Ipsach

Antwort von Anne-Kathrin Koch

(hug) Danke dir, Elisabeth!

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