Wie du Bedürfnisse benennen kannst, statt zu nörgeln

29.07.2020 von Anne-Kathrin Koch

Wenn es dir nicht so gut geht und du auf die Frage "Was brauchst du?" keine Antwort hast, wenn du Mühe hast, deine Bedürfnisse zu benennen, aber dafür gut im Quengeln und Nörgeln bist, dies jedoch ändern möchtest, oder wenn du deine Kommunikationsfähigkeit insgesamt verbessern möchtest, dann ist dieser Blog für dich.


Neulich hatten wir Besuch von Freunden und deren beiden kleinen Kindern, im Alter von 4 und 2 Jahren. Wie das bei Kindern manchmal so ist... - irgendwann saßen sie bei ihren Buntstiften und quengelten miteinander rum.

Es war für uns nicht so offensichtlich, was das Problem oder was ihre Bedürfnisse waren... und nach einem kurzen Moment von Frust gab die Mama ihnen die Anleitung:
"Sprich mit ihr! Sag, was du brauchst oder willst, dann können wir dir helfen!"

Die Situation erinnerte mich an das ein oder andere Paar-Coaching, in denen die Kommunikation der Partner miteinander eigentlich auch nur ein Gequengel ist. Denn bei uns Erwachsenen ist es oft nicht anderes als bei kleinen Kindern:
Wir haben nicht gelernt, erstens zu bemerken und zweitens dann auch noch zu benennen, was wir brauchen. Also meckern wir.

Und mir ging es früher nicht anders.

Ich erinnere mich an einige Momente, in denen ich mich bei meiner Freundin über irgendwas beschwert hab, und wenn sie fragte: "Was brauchst du?" war ich erstmal nur sprachlos.

Ich wusste es nicht. Die einzige Ausdrucksform, die ich hatte, war zu meckern, zu quengeln, mich zu beschweren und zu nörgeln. Mir kam es gar nicht in den Sinn, nach meinen Bedürfnissen zu schauen und diese dann auch noch in Worte zu fassen!

Obwohl ich erwachsen war, war ich an der Stelle genau wie die Vierjährige meiner Freundin.

Herauszufinden, was wir brauchen und es zu benennen ist ein Prozess, aber es hilft ungemein und verwandelt die Kommunikation in etwas Konstruktives.

Ich möchte dir ein paar Beispiele geben:

  • Wirst du zickig, wenn du Hunger hast?
    Statt einfach zu zicken, bemerke und benenne: "Ich glaube, ich hab Hunger. Ich muss erst mal was essen, und dann können wir uns weiter unterhalten."

  • Beschwerst du dich, dass er seinen Teller wieder nicht in die Spülmaschine geräumt hat?
    Statt dich zu beschweren, benenne: "Ich brauch Hilfe in der Küche. Würdest du bitte deinen Teller wegräumen?"

  • Wenn du dich überfordert fühlst und zur wandelnden Giftspritze wirst, halte einen Moment inne und benenne:
    "Ich fühle mich im Moment überfordert. Könntest du mir bei XYZ helfen? / Würdest du mich kurz in den Arm nehmen bitte? / Bitte gib mir einen Moment."

  • Statt dich zu beschweren, dass der andere dich mit seinem Gespräch überfällt und du deshalb ins Rödeln kommst, benenne:
    "Ich bin gerade etwas am machen und möchte das noch zu Ende bringen. Bitte gib mir 10 Minuten, dann höre ich dir gerne zu."

  • Statt dich unter Druck gesetzt zu fühlen und defensiv zu werden, wenn jemand etwas von dir will ("Du bist so unsensibel, du respektierst mich nicht, siehst du nicht, dass es grad nicht geht?!, etc.), atme und dann antworte mit:
    "Ich unterstütze dich gerne, lass mich mal in meinen Kalender schauen, wann es für mich passt."


Merkst du den Unterschied?

Bei dem Nörgeln, Meckern und Beschweren, sind wir emotional in einer kindlichen Position. Bei dem Feststellen und Benennen bringen wir uns in die Erwachsenen-Position, in der wir handlungsfähig und konstruktiv werden können.

Meckern macht keinen Spaß. Weder für uns selbst, noch für die Menschen, die uns in solchen Momenten aushalten müssen. Daher lerne, zu entdecken und dann noch zu benennen, was du brauchst.

Und wenn du es mit einem chronischen Nörgler zu tun hast, kannst du der Nörgelei auch entgegenwirken, indem du fragst: "Was brauchst du?".
Vermutlich schaffst du damit erstmal einen Überraschungs-Moment - gefolgt von weiterer Nörgelei. ;-)
Dann fragst du erneut: "Was brauchst du", und vielleicht auch: "Wie kann ich dich unterstützen?"
Dadurch lenkst du um und lenkst in eine konstruktive Schiene.

Wunder dich nicht, wenn es eine Weile dauert und du die Frage öfters stellen musst. Schließlich sind wir es nicht gewohnt, gleich so konstruktiv zu sein...

Teste es, und dann lass mich in den Kommentaren unter dem Blog wissen, wie es damit ging!


Kommunikation ist eine wirkliche Kunst. Und mit Gefühlen und Bedürfnissen reif umzugehen ebenso.
Daher lade ich dich ein, gnädig mit dir zu sein, wenn es dir nicht so gut gelingt, und gleichzeitig am Ball zu bleiben, in Hinsicht dieser konstruktiven Ausdrucksform weiter zu lernen und deine Fortschritte zu machen.


Inspirieren dich diese Gedanken oder sind sie für dich hilfreich? Dann teile diesen Blog in deinem sozialen Netzwerk und per Mail auch mit Freunden und Bekannten, damit auch sie der Nörgelei entrinnen können.

Auf dass wir alle noch ein bisschen mehr emotional erwachsen werden ;-)


Alles Liebe,
Anne-Kathrin

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