Warum Schüchternheit kein Hindernis sein muss

10.06.2015 von Anne-Kathrin Koch

Wenn ich in meinen Seminaren oder Coachings erwähne, dass ich eigentlich schüchtern bin, blicke ich immer wieder in erstaunte Gesichter. Sie können es kaum glauben, weil sie mich als alles andere, aber nicht als schüchtern erleben. Und sie haben Recht, genauso wie es stimmt, dass Schüchternheit ein Teil von mir ist.

Als ich mit 16 Jahren nach England ging, war einer der ersten Sätze, die mein Gast-Papa zu mir sagte: "Die Mädchen an der Schule sind alle nett. Aber du musst dich auch bemühen und auf sie zugehen."

Da war ich also, ein graues Mäuschen, ohne Ausgeh-Erfahrung (im Gegensatz zu allen anderen), mit Sprach-Barriere (im Gegensatz zu allen anderen) und generell keinem Talent zum Smalltalk (im Gegensatz zu allen anderen), ganz zu schweigen von der Anstrengung, die ein nicht-verstehen-wenn-man-nicht-ständig-konzentriert-zuhört mit sich bringt.

Aber ich bemühte und überwand mich. Eine ganze Weile fuhren mich meine Gast-Eltern jeden Freitag für (ungelogen!) 30 Minuten zum Pub, wo sich immer alle trafen. So war ich wenigstens da gewesen.
Peu-à-peu steigerten wir die Dauer. Ich fing an, mit in die Disco zu gehen, wieder nur für eine halbe Stunde und natürlich ohne mich auf die Tanzfläche gewagt zu haben.

Das hat sich seit dem gründlich geändert ;-)

Und ich lernte und lebte damit, mich immer wieder zu überwinden. Damit ich Teil der Gemeinschaft sein könnte. Damit ich mir selbst nicht im Weg stehen würde. Damit ich eine Chance auf Freundschaften hatte.

Ohne, dass es mir bewusst war, nutzte ich schon damals den Schlüssel zum Überwinden des Hindernisses, von dem ich erst später lernen sollte, wie er hieß: Freundschaft.

Heute gibt es für mich immer noch und immer wieder Situationen, in denen ich am liebsten Zuhause bleiben, mich verkriechen oder unsichtbar machen möchte. Neue Leute kennenlernen oder auf andere zugehen kostet mich manchmal immer noch richtig Überwindung.

Dennoch hält es mich nicht ab. Denn ich lasse mich nicht abhalten. Schüchternheit hin oder her - Menschen wollen und brauchen meine Freundschaft. Sie brauchen, dass ich über meinen Schatten springe und zu ihnen hinausreiche. Und ich brauche sie, um über mich selbst hinwegzukommen. So werden wir alle bereichert.

Eine hilfreiche Frage, wenn deine Schüchternheit dich packt, ist:
"Wer braucht meine Freundschaft und Hilfe?"

Und dann reiche zu ihnen hinaus, im Herzen, am Telefon oder sonst wie. Aber lasse sie nicht im Stich, nur weil du dich gerade schüchtern fühlst. Hilf ihnen und dadurch dir selbst.


In welchem Momenten begegnet dir deine Schüchternheit? Was sind deine Strategien, darüber hinauszuwachsen?
Und zu wem könntest du hinausreichen, um dich selbst zu überwinden und dem anderen zu helfen?

Teile deine Antworten in den Kommentaren. Und teile diesen Blog mit deinen Freunden und Bekannten. Wer von ihnen könnte vielleicht genauso profitieren?

Anne-Kathrin Koch

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1 Kommentar

Moni

Hallo Anne-Kathrin,

oh wie gut kenne ich dieses: Ich mag nicht, will lieber zuhause bleiben und mich verkriechen. Im privaten Bereich, wenn es darum geht: gehen wir auf dieses Dorffest oder jene Veranstaltung; bekomme ich diese Überwindung oft auch heute noch nicht hin. Ich traue mich nicht, weil da zu viele Menschen sind und....ja, ich doch schüchtern bin. Es ist auch einfach "Nein" zu sagen und einfach zu Hause zu bleiben.
Als ich deinen Blogbeitrag las, kam mir aber in den Sinn, dass ich mir (wohl unbewusst) einen Bereich gesucht habe, wo ich sozusagen hinausreichen muss und mich überwinden muss, weil es da jemanden gibt, der meine Hilfe braucht.
Ich arbeite seit 1 Jahr in der Notfallseelsorge und jedesmal wenn ein Anruf kommt und ich lese auf dem Handy "Leitstelle Winterberg" ist es da - dieses Gefühl: "ich will nicht, ein anderer wäre sicher besser" Aber sobald ich abgenommen habe und meinen "Auftrag" entgegengenommen habe, ändert sich das in "Diese Menschen brauchen dich jetzt! Du wirst benötigt, dein DA-Sein für jemanden" - und es gibt keinen Zweifel mehr, ob ja oder nein, sondern ich mach mich fertig und fahre los. Wenn ich mir mein Verhalten genauer betrachte würde ich sagen, in dem Moment wo ich am Telefon auf "Abheben" drücke und mit dem Gegenüber spreche, habe ich innerlich schon entschieden "ich machs" - und die Überwindung hat schon stattgefunden.
Und nach einigen Einsätzen kann ich sagen, das ist jedesmal auf s Neue so. Jedesmal auf s Neue die Entscheidung, alles klar ich wachs über mich hinaus, über die Zweifel und die Schüchternheit und ich bin mit all meiner Liebe und Freundschaft für den anderen da. Ich mach's !
Liebe Grüße
Moni

Antwort von Anne-Kathrin Koch

Hey Moni,

wow, danke für's Teilen! Hätte ich irgendwie nicht vermutet, aber mach natürlich total Sinn - und super, dass du dich immer wieder überwindeset! Ich bin sicher, du machst das richtig klasse! wuuuuusch xxx

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