Die Gemeinsamkeit in den Unterschieden

01.02.2015 von Anne-Kathrin Koch

In jeder Beziehung tauchen früher oder später Konflikte auf, die auf den Unterschieden der beiden Partner beruhen. Der eine kehrt vielleicht plötzlich die faule Seite hervor, während der andere eher hart arbeitet, oder der Stil im Umgang mit Konflikten ist vielleicht konträr: einer setzt alles daran, sie zu lösen, während der andere sich z.B. innerlich, emotional oder verbal verschanzt.

Manche Beziehungen zerbrechen an diesen gefühlt unüberwindbaren Gegensätzen, andere geben sich mit faulen Kompromissen ab und verlieren an Lebendigkeit - und ein paar gelingt die Integration beider Seiten, die zu mehr Verbundenheit, Lebendigkeit, Freude und Tiefgang führt.

Wie? Sie finden das Geheimnis, das in den Unterschieden verborgen liegt!

Einer der Unterschiede und Gegensätze in meiner Ehe ist unsere berufliche Identität.
Mein Mann ist Architekt mit hohem ästhetischen Standart und einem Blick für äußerlich sichtbare Details, die mir oft entgehen.
Meine Fähigkeiten und Interessen liegen im Unsichtbaren, Zwischenmenschlichen, Psychologischen, und natürlich finde ich das wichtiger, schließlich wird kein "Schöner Wohnen" an meinem Sterbebett stehen (...da fängt der Konflikt bereits an...).

Wenn ich von psychologischen Zusammenhängen spreche, die für mich komplett logisch und offensichtlich sind, verknotet sich sein Hirn. Genauso verknotet sich mein Hirn, wenn er mir das Verständnis von Gebäuden näher bringen will.
Und mehr als einmal hatten wir den Konflikt zwischen "schön" und "praktisch", weil jeder seine Ansicht für wertvoller und wichtiger hielt.

Die Natur der Konflikte der Gegensätze oder Unterschiede besteht darin, dass wir meinen, es gäbe nur das eine oder das andere, aber nicht beides gleichzeitig. Daher kämpft jeder für seine Seite.
Und oberflächlich betrachtet geht auch nur "entweder oder". Man kann nicht faul sein und gleichzeitig hart arbeiten, oder konstruktiv und gleichzeitig im Widerstand sein.

Das Geheimnis der Integration und der Lösung der Konflikte besteht jedoch darin, die Gemeinsamkeit und Gleichheit zu finden, die sie alle - unterhalb der Oberfläche - haben. Wenn die Gemeinsamkeit oder sogar die Gleichheit gefunden ist, fällt die Notwendigkeit des Konfliktes weg, weil plötzlich ein "sowohl als auch" möglich ist.

Bei dem Beispiel faul-hart arbeitend verhalten sich die Partner zwar gegensätzlich, aber sie werden das gleiche fühlen.

In meinem Beispiel hatte ich die Erkenntnis, dass wir beide eigentlich die gleiche Arbeit machen. Er baut ästhetische Gebäude, und es verläuft nie reibungslos oder genau wie geplant. Er braucht ständig Flexibilität und Kommunikation, manchmal auch ein klares Wort, und wenn du Hausbesitzer bist, weißt du, dass es immer was zu tun, zu reparieren oder in Schuss zu halten gibt. Häuser und Gebäude brauchen Pflege, sonst verfallen sie. Und Häuser, Landschaften, Räume sind überall. Wir können ihnen nicht entkommen. Unsere Welt ist nunmal 3D.

Das gleiche gilt für meine Arbeit. Ich baue kompetente Beziehungen. Ich lehre Menschen, die Architektur ihrer Beziehungen zu begreifen und helfe ihnen, ihre Beziehungen zu reparieren, zu pflegen, zu gestalten und schön einzurichten. Oft läuft es anders als geplant und es braucht Flexibilität, Kommunikation und manchmal auch ein klares Wort. Beziehungen brauchen Pflege, sonst verfallen sie. Und Beziehungen sind überall, ob wir alleine sind oder mit anderen. Wir können ihnen nicht entkommen. In dieser Welt sein heißt, in Beziehung sein.

In jedem Gegensatz und Unterschied gibt es etwas Gemeinsames. Oft ist es das Gefühl, das beide Seiten fühlen, oder das Gleiche in anderer Form.
Wenn du dich im Moment oder beim nächsten mal mit scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen wiederfindest- erinnere dich! Es gibt immer etwas, das beide Seiten gemein haben! Nicht auf den ersten Blick, aber auf den zweiten, dritten oder vierten.
Halte Ausschau danach! Denn wenn du es gefunden hast, fällt die Notwendigkeit des Konfliktes weg und es bleibt ein "sowohl als auch", ein erweitertes Verstehen und das Gefühl der Bereicherung.

 

Anne-Kathrin Koch

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