Das Paradox der Vergebung

31.08.2016 von Anne-Kathrin Koch

Vor einigen Jahren hatte ich eine Phase, in der ich über Wochen hinweg mehrfach täglich in jedes Fettnäpfchen getreten bin, das sich mir bot. Ich glaube, manche sind nur mir zuliebe überhaupt erst entstanden.

Es war wie verhext.
Sobald ich es bemerkte, entschied ich, besser aufzupassen und nächstes mal die Falle zu erkennen, BEVOR ich reinfallen würde. Und ich hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, da war ich schon mittendrin im nächsten - blind, im Dunkeln und mit Anlauf.

Ich wusste mir nicht mehr zu helfen.

Eines der vielen Fettnäpfchen war mit keinem anderen als meinem Freund und Lehrer Chuck Spezzano höchst persönlich. Und natürlich hatte er es bemerkt.

Peinlich!
Und wieder schwor ich mir, besser aufzupassen - und wieder hielt es nicht lange.

Eines Abends saß ich beim Essen und unterhielt mich mit einer Freundin über meine Pechsträhne. Chuck saß nebenan und war eigentlich in einem anderen Gespräch involviert, bekam aber plötzlich ganz große Ohren. Er nutzte seine Gelegenheit und klinkte sich ein.

Er sagte, mein Schlüssel sei Vergebung.

Wie, Vergebung? Ich wollte doch, dass sich etwas ändert, ich wollte es doch nicht ok sein lassen!

Doch er beharrte drauf, ich solle mir einfach vergeben.

Ich entschied, auf ihn zu hören, und entschied direkt in diesem Moment am Tisch, mir einfach zu vergeben.
Ich machte mir keine Gedanken darüber, wie ich das anstellen würde oder was genau es bedeutete.

Es war einfach eine Entscheidung.

Und - oh Wunder - mit dieser Entscheidung war diese quälende, wochenlange Misere plötzlich von einem Moment auf den anderen einfach zu Ende.

Aus diesem Erlebnis habe ich einiges gelernt:

  1. Ich muss nicht mögen, dass war, was war oder ist, was ist. Aber ich kann mich trotzdem für Vergebung entscheiden.

  2. Kein Schuldgefühl der Welt, keine Bestrafung und kein sich-zusammen-reißen macht einen Fehler ungeschehen. Es nützt einfach nichts, außer, dass ich noch Fehler-anfälliger werde und es mir schlecht geht.
    Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis meine miese Laune und mein entsprechendes Verhalten meine Umwelt verpestet hat (wenn man sie allerdings loswerden oder sich vom Leib halten will, ist das eine gute Strategie).

  3. Vergebung ist ein Paradox, das befreit. Es führt dazu, dass wir die Lektion lernen und über die Situation hinauswachsen. Somit hat uns die Vergangenheit (und sei es nur der gerade vergangene Augenblick) nicht länger im Griff, und wir schreiten voran.



Hier eine Übung für dich:

  1. Wähle eine Situation, über die du dich beklagst. Die Beschwerde kann sich gegen dich selbst oder gegen andere richten. Es kommt auf's Gleiche raus: es vermiest dein Leben.

  2. Und dann, als Experiment und Alternative zur Beschwerde, entscheide, zu vergeben
    (Wenn hier Widerstände auftauchen, lies noch einmal Punkt 1) und 2) durch). Entscheide, einfach so, dir selbst, allen Beteiligten, und der Situation als solches zu ver-geben.


Vergebung ist keine Herablassung oder arrogante "Gnade". Es ist vielmehr die Entscheidung, deine Beschwerde loszulassen und da, wo du hartherzig warst, dein Herz wieder zu öffnen und wieder zu (ver-)geben.

Um deiner Selbst willen. Und aus ökologischen Gründen  ;-)

Wie fühlst du dich dann?

Bau deinen Fehlern kein Denkmal! Vergib statt dessen und werde frei. Du hast nichts zu verlieren.



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Anne-Kathrin Koch

 

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2 Kommentare

Nicole

Letzten Freitag hatte ich eine Sitzung mit Anne-Kathrin und ein großer Teil unserer Arbeit war Vergebung- mir und wirklich alles und jedem, dem ich vergeben konnte und durfte. Und was soll ich sagen? Vergebung macht frei und sie bringt Erlösung...
Ich war in großer Not, aber jetzt kommt der Frieden und die Stille in meinem Herzen zurück und gleich mehrere Wunder sind passiert.
Danke!!!

Antwort von Team Anne-Kathrin Koch

Liebe Nicole, vielen lieben Dank für deinen Kommentar :-) und ich freue mich mit dir über die Wunder <3

Andrea

Liebe Anne-Kathrin,
herzlichen Dank, dass du diese Erfahrung mit uns geteilt hast. Ich wusste gar nicht, dass eine Entscheidung zur Vergebung reicht!! Mir war schon klar, dass Vergebung fundamental ist, doch ich dachte, es gelingt mir nicht immer. Es funktioniert wirklich!!! :-)
Andrea

Antwort von Team Anne-Kathrin Koch

Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrungen ;-).

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